Option. Stimmen der Erinnerung. Le Opzioni in Alto Adige/Südtirol

„Die Option hat die Menschen in Südtirol auseinandergebracht"

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Martha Ebner gilt als DIE Stimme der Dableiber*innen in Südtirol. Keinesfalls dürfen ihre Erzählungen fehlen, wenn es um das Thema der Option geht. In ihrem Haus in Aldein treffen wir Martha Ebner am 18. November 2013 zum Interview. Mit 91 Jahren erinnert sich Martha Ebner noch sehr genau an die schwierigen Zeiten im Land. Sie wählt ihre Worte sehr genau und wohl durchdacht. Obwohl sie ihre Lebensgeschichte schon oft erzählt hat, sind ihre Erinnerungen mit Emotionen verbunden.

Martha Ebner willigt sofort ein, für das Theaterprojekt „Option. Spuren der Erinnerung“ ihre Geschichte live auf der Bühne des Stadttheaters zu erzählen. Es ist ihr ein großes Anliegen, dass die Jugend erfährt, was Diktatur und Fanatismus den Südtirolern angetan haben. „Es ist notwendig und wichtig, dass diese Erinnerungen nicht verloren gehen“, sagt sie heute mit 98 Jahren. Martha Ebner steht noch mitten im Leben, geht regelmäßig ins Büro und erfreut sich guter Gesundheit.

„Ende Dezember 1939 war die schlimmste Zeit, die ich erlebt habe"

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In einem kleinen Haus in Milland erwartet uns am 20. August 2013 Regina Stockner. Die 87-Jährige bittet uns in die Stube. Sie lebt sehr genügsam. An den Wänden hängen liebevoll gestaltet und eingerahmt ihre selbstverfassten Gedichte. Mit Stolz und Freude liest sie uns einige davon vor. Dann beginnt sie ruhig zu erzählen, schildert sehr genau die Ereignisse rund um die Optionszeit.

Auf die Frage, ob sie an den Vereinigten Bühnen Bozen auf der Bühne stehen wolle, um ihre Geschichte vielen Menschen zu erzählen, verneint sie sofort. Sie gehe ja schon um 20 Uhr ins Bett. Falls wir früher spielen könnten, würde sie es sich überlegen. Nach mehreren Überredungskünsten steht Regina Stockner dann doch auf der Bühne und gewinnt sofort die Herzen des Publikums. Heute lebt die 94-Jährige im Altersheim in Brixen. Es gehe ihr dort gut, sie fühle sich wohl und ist fröhlich und zufrieden, denn „dann lebt es sich doch leichter“, sagt Regina Stockner, die das Leben immer schon von der positiven Seite gesehen hat.

„Er ist freigegangen, weil er optiert hat“

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Erich Kobler aus Margreid ist 85 Jahre alt, als wir ihn am 26. August 2013 in seinem Ferienhaus am Ritten besuchen. In einer alten getäfelten Stube nehmen wir Platz. Erich Kobler hat sich auf unser Treffen vorbereitet, Notizen gemacht und alte Fotos rausgesucht, die er uns während des Gesprächs immer wieder zeigt. Besonnen und detailliert erzählt er von seiner Ausreise als Kind.

Erich Kobler lebte in Margreid, wo er in den 50er-Jahren den landwirtschaftlichen Betrieb, welcher heute Weingärten in Margreid und Obstwiesen in Kurtatsch umfasst, gegründet hat. Er war ein Weinkenner und Genießer und blickte mit Freude auf ein erfülltes, arbeitsreiches Leben. Am 4. August 2020 verstirbt Herr Kobler zuhause im Alter von 92 Jahren.

"Optavano, perché gli dicevano che in Austria o Germania staranno meglio"

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Lidia Larosa ha quasi 89 anni e vive con uno dei suoi figli e la sua famiglia a Merano. Adora addolcire le giornate dei suoi nipoti con gli strudel di mele. Mentalmente e fisicamente è ancora sana come un pesce. Quando nuota in piscina, un tuffo e una verticale in acqua sono un must per lei. Lidia è cresciuta bilingue e oltre all'italiano e al tedesco, parla perfettamente l'inglese e il francese. A proposito, ogni tanto conta anche fino a 100 in vietnamita e in greco. Le piace raccontare il suo passato e dare un'idea delle esperienze vissute durante la Seconda Guerra Mondiale e il periodo delle opzioni, proprio come ha fatto durante la nostra registrazione del 14 settembre 2020.

Anche se Lidia non ha avuto una vita semplice e ha perso sia i suoi genitori che suo fratello in tenera età, irradia ancora molta gioia di vivere: è un raggio di sole con il cuore al posto giusto.

„Es hat geheißen am 31. Dezember 1939 muss gewählt sein“

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Elisabeth Hafner Plattner aus Jenesien ist unsere allererste Interviewpartnerin. Über 60 weitere sollen noch folgen. Etwas aufgeregt und voller Spannung besuchen wir Elisabeth Hafner Plattner am 19. August 2013 auf ihrem Hof in Jenesien. Die kleine, zierliche Frau erwartet uns sehr herzlich in ihrer Stube. Sie ist 88 Jahre alt, hat die weißen Haare zu einem Knoten zusammengebunden. Sie strahlt uns voller Lebensfreude an und beginnt zu erzählen.

Auf die Frage, ob sie bereit wäre, beim Theaterprojekt „Option. Spuren der Erinnerung“ der Vereinigten Bühnen Bozen als Zeitzeugin auf der Bühne zu stehen, lächelt sie verschmitzt und meint: „Na, na, in die Stodt fohr i nimmer oi.“ Ihre Tochter Monika erzählt uns, dass Elisabeth Hafner Plattner am 17. Juli 2016 im 91. Lebensjahr friedlich eingeschlafen ist. Bis zu ihrem Tod war sie wohlauf und sorgte sich liebevoll um ihre Familie.

„Option das große Thema, das Südtirol bis heute bewegt“

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Elisabeth Thaler erzählt in der Introfolge warum sich die Vereinigten Bühnen Bozen entschlossen haben, die Südtiroler Option als Dokumentationstheater auf die Bühne zu bringen. Grundlage waren dabei Interviews mit Zeitzeug*innen, die zum Teil in diesem Podcast wiedergegeben werden.

Über diesen Podcast

Option bedeutet eine Wahlmöglichkeit zu haben. Optionen im Leben zu haben wird meist positiv aufgefasst. Für Südtirol hingegen ist die Option eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte. Die Bevölkerung stand vor einer fast unmöglichen Entscheidung: „Dableiben“ und sich damit für Wohnort und Heimat zu entscheiden – jedoch mit der Aussicht, die deutschsprachige Identität aufzugeben oder „Optieren“ für das Deutsche Reich, um Muttersprache und Traditionen zu wahren, dabei aber Südtirol als Heimat zu verlieren.

Im Podcast „Option. Stimmen der Erinnerung. Le Opzioni in Alto Adige/Südtirol“ vom Center for Autonomy Experience, den Vereinigten Bühnen Bozen und dem Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck erzählen Zeitzeug*innen aus erster Hand über diese Zeit und teilen ihre Erinnerungen mit den Hörer*innen.

Ein Großteil der Interviews entstand im Rahmen des Projektes „Die Südtiroler Option 1939: Rezeption, Erinnerungs- und Erfahrungsberichte, museale Darstellung“ des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck in Zusammenarbeit mit dem Amt für Film und Medien der Südtiroler Landesverwaltung.

Opzione significa scelta. Avere delle opzioni nella vita di solito è visto positivamente. Per l’Alto Adige, tuttavia, quello delle opzioni è uno dei capitoli più scuri della storia. La popolazione si è trovata di fronte a una scelta quasi impossibile: restare e quindi mantenere luogo di residenza e Heimat, rinunciando all’identità germanofona, oppure optare per il Terzo Reich per preservare la lingua madre e le tradizioni, ma perdendo l‘Alto Adige come patria.

Nel podcast „Option. Stimmen der Erinnerung. Le Opzioni in Alto Adige/Südtirol“ del Center for Autonomy Experience, delle Vereinigten Bühnen Bozen e dell‘ Istituto di storia contemporanea dell’Università di Innsbruck i testimoni contemporanei* raccontano in prima persona quel periodo e condividono i loro ricordi con gli ascoltatori.

Gran parte delle interviste sono state realizzate nell'ambito del progetto "Die Südtiroler Option 1939: Rezeption, Erinnerungs- und Erfahrungsberichte, museale Darstellung" dell'Istituto di storia contemporanea dell'Università di Innsbruck in collaborazione con l'Ufficio per il cinema e i media dell'Amministrazione Provinciale dell'Alto Adige.

von und mit Center for Autonomy Experience, Vereinigte Bühnen Bozen, Institut für Zeitgeschichte - Universität Innsbruck

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